Zum Philosophieunterricht am FMG
Eine verbindliche Definition von Philosophie gibt es nicht. Carl F. von Weizsäcker sagt, Philosophieren sei „Weiterdenken” - weiter als
bisher, immer weiter. Karl Jaspers erklärt, von Philosophie könne da die Rede sein, „wo sich der Mensch seines Daseins bewusst wird“. Das Wort „Philosophie“ bedeutet etwa: Liebe zur Weisheit, Streben nach wahrem Wissen
- und enthält einen Seitenhieb gegen die, welche bereits alles zu wissen glauben.
Nicht wir fangen mit dem Philosophieren an; seit Jahrtausenden hat es bedeutende Denker gegeben, welche gängige Meinungen nicht einfach
hingenommen haben: Platon und Aristoteles, Descartes und Kant, Nietzsche und Sartre und viele andere. Ihr Denken, ihre Theorien, mehr aber noch ihre Fragen sind in gewisser Hinsicht vorbildlich und oft auch Gegenstand
des Unterrichts. Philosophie ist auch: Auseinandersetzung mit ihnen auf der Grundlage ihrer Texte. Anderseits ist und bleibt das Kriterium des Philosophierens: Selber vernünftig denken, wenn alte
Selbstverständlichkeiten fragwürdig werden. Selber denken, das heißt ohne Leitung durch einen anderen denken, aber Fragen und Argumenten nicht ausweichen. So gehört zum Philosophieren das längst Gedachte und der eigene
Zweifel; wir müssen philosophische und andere Texte erarbeiten und dabei selber denken.
Immanuel Kant hat im 18. Jahrhundert die wesentlichen Fragen der Philosophie genannt: „Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was
darf ich hoffen?“ Diese Fragen fasst er in der einen zusammen: „Was ist der Mensch?“ Wir könnten noch hinzufügen: Was ist das Politische? Worin hat Herrschaft über Menschen ihr Recht, wo ihre Grenzen? Diese Fragen
machen deutlich, warum das Fach Philosophie dem gesellschafts-wissenschaftlichen Feld zugeordnet ist.
Man kann Philosophie an der Universität studieren; dort wird weithin Philosophiegeschichte gelehrt. Darauf soll
unser Philosophieunterricht aber nicht (direkt) vorbereiten. Vielmehr soll er dazu beitragen, wichtige Fragen zu stellen (die heimatlosen Fragen, für die „keiner zuständig” ist oder für die man sonst „keine Zeit” hat),
tragfähige Antworten zu suchen und diese wiederum streng zu prüfen; man muss bereit sein, zuzuhören und offen zu sprechen. Der Unterricht soll und könnte dazu beitragen, etwas Klarheit ins eigene Denken zu bringen und
Unklarheiten nicht zu vertuschen. Fürs Geldverdienen kann man das oft nicht verwerten, doch ist es nicht der schlechteste Teil intellektueller und menschlicher, also allgemeiner Bildung.
An unserer Schule
wird das Fach zur Zeit von Frau Lettgen, Herrn Stupperich und Herrn Tholen unterrichtet. Wenn jemand Fragen hat, werden diese bemüht sein, sie zu beantworten. In der Schul- und Stadtbibliothek findet man philosophische
Bücher unter der Signatur L; aber Geschichtsphilosophie steht dann auch unter Ea, Rechtsphilosophie unter Fa usw.
Die beiden folgenden Aufsätze sollen zeigen, zu welchen Ergebnissen man im Philosophieunterricht kommen
könnte.
Fachkonferenz Philosophie